Schüler als Kunden im Wirtschaftsunternehmen „Schule”
 

 

Bildungsportal Schulkritik

 

Die Schule als Wirtschaftsunternehmen

Schüler und ihre Macht als Kunden

Schüler sind die „Kunden der Schule" und Lehrer eine Art „Verkäufer”. Lehrer haben die „Wa(h)re Bildung” zu vermitteln. Diese muß von ihnen vorbereitet, präsentiert und in ihrer Funktion gelehrt und erklärt werden. Verkaufsräume sind die kleine Schule („Tante Emma-Laden") oder der große Massenbetrieb („Super-Store"). Doch im Vergleich zur freien Wirtschaft bestehen gravierende Unterschiede.

Ausbildung

Woher bekommt der Lehrer seine Ware? Großhandel? Erbschaft? ebay? Die Ausbildung der Lehrer unterscheidet sich erheblich von jenen Anforderungen, die in der Wirtschaft üblich sind. So steht z. B. bei Lehrern an Gymnasien die Ware selbst (Fachwissen) an erster Stelle, d. h. die Ausbildung umfaßt die „Produktion” (Wissenschaft) in sämtlichen Einzelheiten. Doch wie die fertige Ware an Schüler zu verkaufen ist, bleibt hier eher nebensächlich. Im „Referendariat” wandelt sich der Lehrling dann zum Gesellen und darf unterrichten – unter Anleitung.

Doch in der Praxis dient der Referendar fast immer als ein Notstopfen für jene Lehrer, die aufgrund des Lehrermangels fehlen. Das traurige Ergebnis: Kenntnislücken in Unterrichtsgestaltung und Wissensvermittlung werden nicht geschlossen und die besondere Situation der Schüler und ihre Verhaltensweisen bleiben vielen Lehrer-Lernenden fremd. Reaktion der Kunden (Schüler): Aufmerksam beobachten, notieren, entlarven und kritisieren!

Ware

Was zu lernen ist, bestimmen „Lehrpläne", in denen ein allgemeiner Bildungsstandard festgelegt wurde. Daß es sich bei diesem Produkt nur allzu oft um falsche, ungenießbare oder nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums verwendete Ware handelt, scheint nicht sonderlich zu stören.

Auswahl? Form und Größe sind für alle Kunden auf ein einheitliches Maß zurechtgestutzt! Der Lehrer hat sich daran zu halten und wählt lediglich die Art und Weise, wie er die Ware zu präsentieren gedenkt. Seine Kunden müssen akzeptieren, was sie von ihm vorgesetzt bekommen. Persönliche Wünsche oder Geschmack zu berücksichtigen oder Lust auf mehr zu wecken, würde nur aufhalten und wäre mit Mehrarbeit für die Verkäufer verbunden.

„Pädagogische Freiheit" erlaubt es dem Lehrer, den Verkauf (Lehrplan) nach seinen eigenen Vorstellungen abzuwickeln und niemand wird ihm dort hineinreden. So mancher Lehrer schafft noch nicht einmal die Vorgaben, doch auch dies wird regelmäßig toleriert. Ist er zu langsam, müssen die fehlenden Unterrichtsthemen unter dem Stöhnen der Schüler noch schnell am Ende des Schuljahrs abgehakt („Sale”) oder auch weggelassen werden („Räumung”).

Während des Unterrichts ist der Lehrer mit den Schülern allein. Die wirksamste Warenkontrolle liegt damit in der Macht der Kunden! Dies zu erkennen, ist die Chance der Schüler!

Sortiment

Aus jedem Verkaufsladen kann man wieder herausgehen, wenn einem das Angebot nicht paßt oder die mangelhafte Beratung des Verkäufers ein Geschäft vermasselt. Nicht so in der Schule! Hier ist der Schüler-Kunde verpflichtet, das Angebot abzunehmen – und zwar genau so, wie er es vorgesetzt bekommt. Derzeit kommt übrigens wieder neue Ware, denn die Lehrpläne werden auf Schulzeitverkürzung umgestellt. Das Sortiment wird verkleinert und vieles von dem, was früher sogar in Klassenarbeiten wichtig war, jetzt als überflüssig ausgemustert und weggeworfen.

Konkurrenz

Die Kunden der Schule (Schüler) sind nicht nur gesetzlich verpflichtet, die Ware (Bildung) zu erwerben: Sie sind sogar darauf angewiesen! Der Mangel an Konkurrenz ist für Schulen ein enormer Vorteil – natürlich nur für jene, die ihr Monopol beherrschen: In der Wirtschaft wird die Qualität der Ware durch Angebot, Preis und Nachfrage bestimmt; im Bildungssystem beeinflussen Ideologien und unausgereifte Ideen von Politik und Wissenschaft die Qualität der Bildung. Hier helfen außer der Wahlurne (Denkzettel verteilen!) nur Wettbewerb (viele Konkurrenten), Kontrolle (Schüler und Eltern sind gefordert) und Solidarität (durch Öffentlichkeitsarbeit).

Qualität

Über Qualitätsverbesserung an deutschen Schulen diskutieren Politiker schon seit einigen Jahrzehnten und die katastrophalen Ergebnisse (Pisa-Studie nebst Folgeerscheinungen) sprechen für sich selbst! Jeder hat ein anderes Verkaufsrezept und als Versuchskaninchen dienen die Schüler. Hier hilft allein, Augen und Ohren offen zu halten. Schließt auch nicht den Mund und verhaltet Euch wie kritische Kunden, die nur die allerbeste Ware beanspruchen!

Produkt und Garantie

Die Ware (Bildung) sollte natürlich nicht nur bis zur nächsten Klassenarbeit halten. Wegwerf-Bildung? Nichts verstanden? Reklamationen müssen sofort erfolgen, ansonsten sind Eure Ansprüche in wenigen Tagen verfallen! Unbrauchbare Ware (z. B. als unzureichend empfundener Unterricht) ablehnen und sofort eine eine neue Lieferung verlangen!

Vorstand

Gesetze, Vorschriften, Lehrpläne, Bedienstete, Selbstkontrolle … alles wird „von oben“ (Landesregierung, Kultusministerium, Schulamt) bestimmt und ist von Schülern, Eltern und Lehrern widerstandslos zu befolgen.

Auch widerspruchslos? Wir leben doch in einer Demokratie? Natürlich kann hier jeder seine Meinung äußern. Doch was ist, wenn die „Macher“ nicht zuhören und es an Möglichkeiten mangelt, Alternativen zu diskutieren und Änderungen zu bewirken? Ein Vorstand in der freien Wirtschaft müßte nach kurzer Zeit seinen Hut nehmen.

Die Schulleiter an unseren Schulen – bezeichnen wir sie einmal als Chef oder Vorstand – haben „Lehrer” gelernt und sind für die Aufgaben von Schulmanagern oder Verwaltungsprofis fast immer unzureichend ausgebildet. In eigenständigen und selbstverantwortlichen Schulen werden sie derartige Aufgaben künftig dennoch übernehmen. Ist die Teilnahme am Weiterbildungs-Vortrag der Volkshochschule (vielleicht in einer Doppelstunde zum Thema: „Der perfekte Manager”) wirklich ausreichend?

Und unser Bildungssystem? Nach jahrzehntelang vergeblichen Reformversuchen hilft nur noch Selbsthilfe der direkt Betroffenen – Initiativen von Schülern, Eltern und Lehrern – um dem Wirtschaftsunternehmen „Bildung” neuen Schwung zu verleihen.

pdf / S103 / 16.10.08


www.lehrerkritik.de (16.10.08)

Personalpolitik im Schweinezyklus

Wer wird heute noch Lehrer? (Teil 2)

Lehrer werden dringend gesucht”; „Untragbarer Unterrichtsausfall – Lehrer fehlen”; „Die Überalterung der Lehrkräfte erreicht dramatische Ausmaße”; „Quereinsteiger mit Chancen auf den Lehrerberuf”; „Bundesländer werben sich gegenseitig die Pädagogen ab” – Wer diese Schlagzeilen liest, wähnt sich in goldenen Zeiten der Lehrer-Vollbeschäftigung. Doch Vorsicht! Es ist alles schon einmal dagewesen – einschließlich des bösen Erwachens für jenen Teil der Studenten, die im Vertrauen darauf den Lehrerberuf studierten und anschließend auf der Straße standen..…weiter


www.elternkritik.de (16.10.08)

An Geld für Bildung…

…ist kein Mangel

Daß die Regierung keine noch so hohen Ausgaben scheut, bewies einmal mehr die für Bildung zuständige Bundesministerin Annette Schavan (CDU). Für die Strecke von Stuttgart nach Zürich (147 km Luftlinie) nahm sie am 20. Mai 2008 einen Hubschrauber der Berliner Flugbereitschaft … Und was ist mit dem Umweltschutz? Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dürfte sich angesichts seines eigenen Umweltbewußtseins wohl lieber raushalten: Am 8. Aug. 2007 pendelte er als einziger Passagier in einem Regierungs-Jet.…weiter


 

 

 

 

 

 


 

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