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Um
Politik zu verstehen, muß man wissen, wie Politik
funktioniert. Und als Einstieg ist wohl keine Lektüre
besser geeignet als jene Schriften, die der Erfinder
des „Staat“-Begiffs vor nahezu 500 Jahren
verfaßte: der Italiener Niccolò Machiavelli
(1469–1527).
Der heutige Umgang mit seinem
Hauptwerk „Der Fürst“ (De principatibus
/ Il Principe, 1513/1532 publ.) ist ein Ausdruck derselben
Doppelmoral, wie sie alltäglich bemängelt
wird. Es gibt wohl keinen Politiker, der dieses Werk
nicht kennt, aus dem darin vermittelten Realismus
nichts gelernt hätte und sich bei seinen Handlungsweisen
nicht zumindest in einzelnen Punkten an Machiavelli
orientieren würde (wer die Poltik sehr aufmerksam
beobachtet, wird Tag für Tag Parallelen erkennen).
Doch wohl niemals würde es einem Politiker einfallen,
dies öffentlich zuzugeben.
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Machiavelli heute
„Die Politik
nimmt Ratschläge durchaus ernst, doch geht
es ihr nicht in erster Linie darum, das Richtige
zu tun. Vielmehr steht nach meiner Erfahrung
der Wunsch nach Machterhalt im Vordergrund.
Im darwinistischen Politikkampf überleben
jene, die den Machterhalt jederzeit im Auge
behalten. …“
Prof.
Dr. Stefan Homburg (Finanzwissenschaftler an
der Univ. Hannover) in der FAZ v. 9.1.2008 auf
die Frage, warum die Politik die Ratschläge
der von ihr berufenen wirtschaftswissenschaftlichen
Berater so wenig ernst nimmt.
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Die Gedanken Machiavellis beeinflussen
noch heute politische wie auch wirtschaftliche Entscheidungen.
Nicht umsonst wird der Umgang mit seinen Thesen und
Konzepten auf Manager-Seminaren vermittelt. Komplexe
Großunternehmen entwickeln sich zu politischen
Institutionen, organisieren sich wie Staaten und werden
nach politischen Kriterien geführt. Auch hier
hilft Machiavelli!
Nach der Abstufung von Philosophie
als Schulfach, der Straffung von Geschichtsunterricht
und Ethik-Ersatz werdet ihr im Unterricht wohl kaum
mit Machiavellis Hauptwerk in Berührung kommen.
Dabei ist es nahezu unverzichtbar, sich damit auseinanderzusetzen.
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Machiavelli gestern
„Ein Fürst
kann nicht immer alles das beachten, was bei
anderen Menschen für gut gilt: er muß
oft handeln, um seinen Platz zu behaupten, wider
Treue, wider Menschenliebe, wider Menschlichkeit,
wider Religion (...).“
aus: Machiavelli, N.
(1532): Il principet. |
Machiavelli vermittelt ein
sehr düsteres, pessimistisches Menschenbild:
Der Mensch ist des Menschen Feind; Kennzeichen im
Umgang miteinander sind Haß, Mißtrauen,
Habgier und Hinterlist; auch im Alltag wird egoistisch
geheuchelt und wer politisch handelt, muß auch
Böses tun. Vorgestellt wird eine skrupellose
Machtpolitik: Um Macht zu erlangen und Macht zu besitzen
spielt die Moral keine Rolle; Sicherung und Erhalt
der Staatsmacht bestimmt die Richtschnur politischen
Handelns (Staatsraison) und Gewalt ist ebenso wie
alles, was einem selbst nicht schadet, erlaubt.
Aus verständlichen Gründen
wurden solche Thesen von der katholischen Kirche schon
Mitte des 16. Jhs. auf den Index gesetzt – Napoleon
hingegen gefielen sie! Daß Machiavelli auch
das Gemeinwohl nicht vergaß und die sittliche
Erziehung des Volkes zur Sicherung des Friedens als
Grundlage der staatlichen Stabilität verlangte,
wird hierbei oft vergessen.
Einerseits ist zum Verständnis
der Thesen Machiavellis die Beachtung der gesellschaftlich-politischen
Verhältnisse in seiner Zeit (Renaissance) erforderlich,
auf der anderen Seite beschreibt er offen und schonungslos
einen Teil der Realität – nicht nur der
damaligen, sondern ebenso der heutigen! Abgesehen
von Krieg und Gewalt, Knechtschaft und Unterdrückung,
die in demokratischen Staaten glücklicherweise
keine Rolle mehr spielen, haben Machiavellis Gedanken
noch immer einen faszinierenden Einfluß auf
viele Handlungsweisen in der heutigen Politik.
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Machiavelli
im Unterricht
In den Lehrplänen
der deutschen Bundesländer kommt Machiavelli
zwar „hier und da mal vor“, fristet
aber ein insgesamt verstecktes Dasein in den
Fächern Geschichte, z. B. in Bayern (7.
Jahrgangsstufe), Hessen und Thüringen (11.
Jg.), im Sprachunterricht (italienisch, z. B.
Sachsen-Anhalt, Bayern) oder in Latein / Philosophie
(Hessen). Dazu passen die allseits bemängelten
Defizite im Politik-/Sozialkundeunterricht (Zahlen
statt Zusammenhänge, Wahlrecht statt Wahlprogramm,
Inhalte statt Umsetzung, Vortrag statt Diskussion).
Traurig ist bei vielen Lehrern die Unfähigkeit,
dieses Fach mit Begeisterung und Kompetenz vermitteln
zu können (bei 16-17jährigen zweifellos
schwierig, aber möglich!). Man könnte
fast vermuten, der Staat habe wenig Interesse
daran, die Schüler zu politisch mündigen
Bürgern zu erziehen („Unwissende
meckern nicht!”) – selbst wenn die
Bundeszentrale für politische Bildung (unbedingt
anschauen: www.bpb.de) sich redlich bemüht
und einen anderen Eindruck erweckt. Machiavelli
ist auch heute noch entlarvend! Viele Schüler
haben dies erkannt und bilden sich außerhalb
der Schule politisch weiter – damit sie
nicht zu jenen gehören, die im Politik-Prüfungskurs
(12. Jg./ Bad.-Württbg. 2008) mit folgenden
Kenntnissen glänzten: „Welcher Partei
gehört Angela Merkel an?“ –
„SPD!”; „Wer war der erste
Bundeskanzler?” – „Helmut
Kohl!”. |
Warum erscheint dieser Artikel
im Internet auf der Schülerseite? Welche Reaktion
wird von der Obrigkeit erwartet? Wünschenswert
wäre öffentliche Empörung durch jene
Politiker und Verantwortlichen im Bildungswesen und
Schulbereich, die Ethik und Moral zwar unentwegt predigen,
sich selbst aber wenig daran halten! Die Reaktion
der Schüler? Bittet Eure Lehrer in Sozialkunde,
Geschichte, Ethik oder Religion, Machiavellis Gedanken
kritisch im Unterricht zu diskutieren, Parallelen
und Unterschiede zur heutigen Politik und Gesellschaft
aufzuzeigen. Laßt Euch an hand von aktuellen
politischen Entscheidungen erklären, „wieviel
Machiavelli sie jeweils beinhalten“. Und findet
die Gegensätze: Unsere demokratische Ordnung
erlaubt ein optimistisches, auf christlichen Wertvorstellungen
begründetes Menschenbild, das jenem von Machiavelli
in vielen Punkten entgegensteht.
Machiavelli vollzieht die Trennung
von Moral und Politik – und erfährt seine
„Renaissance“ im heutigen Politikgeschäft.
Dazu paßt nicht zuletzt auch Machiavellis persönliches
Verhalten: Einschmeicheln bei den Mächtigen!
Posten und Privilegien ergattern!
Wohin geht die Reise? Nach
Colin Crouch vielleicht in eine „Postdemokratie”
mit prädemokratischen Strukturen? Hierzu weiter
in Teil 2 (erscheint im Jan. 2009).
pdf
/ S104
/ 16.10.08
| www.schulkritik.de
(16.10.08)
Streitschlichter in Schulen?
– der große Bluff!
Konfliktmanagement?
Streitigkeiten sind an
Schulen unvermeidbar. Es gab sie schon immer
und wird sie auch in Zukunft geben. Bei solchen
Konflikten – unterhalb der Grenze zur
Straftat und gefährlichen Gewalt –
ist „Streitschlichtung“ angesagt
und Politiker loben „die von ihnen erzielten“
Erfolge – ein Minenfeld für Schüler,
Eltern und Lehrer!…weiter… |
| www.elternkritik.de
(16.10.08)
Welcher
Elterntyp sind Sie?
…
mal ganz ehrlich:
Sind Sie autokratisch,
autoritär, demokratisch, egalitär,
laissez-faire, permissiv, negierend? Oder haben
Sie eine andere Methode?.…weiter…
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| www.lehrerkritik.de
(16.10.08)
Ostdeutsche
Lehrer
Wende
der Denkweise und Verhaltensmuster?
Lehrer hatten in der DDR
ein klar umrissenes Erziehungsziel, für
das sie besonders geschult wurden: Propaganda
für die Partei, Lobeshymnen auf den Sozialismus
und die sozialistischen Bruderländer, vor
allem die Sowjetunion, und die Verdammung des
Klassenfeinds im Westen. …weiter… |
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